Jul 24

Vor knapp 20 Jahren trat in der popkulturellen Entwicklung ein bahnbrechendes Phänomen auf, nämlich die Popper. Diese vordergründig nicht rebellierende Jugendbewegung zelebrierte das Markenbewusstsein der 80er Mode im Schulhof, an öffentlichen Plätzen und auf Partys. Wer die Entwicklung der Popper Bewegung aber weiter verfolgt, kommt schließlich zu einer ernüchternden Erkenntnis. Wir alle sind ein wenig Popper!


Popper der ersten Generation

Neulich wurde dem Popper auf Einestages, dem Zeitgeschichte-Blog des Spiegels, eine nähere Betrachtung gewidmet. Dabei ruhte der Blick von Einestages vorwiegend auf die Popper der ersten Generation. Auf den Bildern sah man markante Gymnasiasten mit Poppertolle und anderen 80er Frisuren in markenorientierter 80er Kleidung.
Über diesen Fokus dürften sich vor allem jene Leser gefreut haben, die es zu dieser Zeit noch mehr mit Commodore oder Barbie denn Lacoste und Marc o`Polo hielten.

Popper der zweiten Generation

Bei den Poppern der zweiten Generation war beispielsweise Lacoste eine immer noch mehr oder weniger angesehene Marke, hatte aber nicht den Stellenwert wie früher. Während der klassische Popper seine Labels noch dezent zur Schau trug, prangerte sich mancher Nachwuchspopper die Marke Best Company auf die Brust, in nicht zu grellen Farben natürlich, sodass es noch gut zu den Levis, den Budapester von Bartu oder den Sendra Cowboystiefel passte. Man trug auf einmal Rollkragenpullover, vor wenigen Jahren noch undenkbar, dazu dunkle oder karierte Sakkos bzw. Fliegerjacken von Chevignon oder Avirex.

Der Popper als Mittelschichtsphänomen

Die Popper der zweiten Generation gaben sich längst nicht mehr so schnöselig und elitär wie ihre Vorgänger, auch wenn es weiterhin ein striktes Markenbewusstsein gab, ebenso wie elitäres Denken. Trotzdem wurde der Popper zunehmend zum Mittelschichtphänomen, das im Einzelfall sogar der unteren Schicht entschlüpfte. Das elitäre Denken kann sich schließlich auf einen trendigen Lebensstil oder das Aussehen beziehen, und mus nicht immer geldbezogen sein.
Es war eben viel aufregender, ein Popper zu sein und gut auszusehen, anstatt hässlich das Haus zu verlassen. In selbstgefälliger Innenschau und der Gewissheit, auf der Schönheitsskala mindestens eine Sechs zu sein, wenn nicht höher, erträgt sich der ödeste Unterricht gleich viel leichter.

Als der Popper zum Mainstream wurde

Und so wurde der Popper zum Mainstream, einschließlich Markenbewusstsein. Vielleicht war das die Revolution, die so viele an der Popper Bewegung vermisst hatten. Plötzlich waren es die Zöglinge aus allen Mittelschichtsetagen, die Markenwahn und abgehobenes Denken zu ihrer persönlichen Leitkultur erklärten. Dies geschah zwar nicht mehr ganz so stilgerecht wie bei der 80er Mode Urform, dafür wurde aber ein weiteres Spektrum an Leuten angesprochen.

Als der Popper zur Mainstream wurde, geschah dies eher im Verborgenen. Schließlich gab es ja offiziell keine Popper mehr, am Ende der 80er. Doch gewisse ästhetische Ideale der Popper schienen erhalten geblieben zu sein. Im Bereich der Musik, der Unterhaltung und natürlich der Mode. Inzwischen findet man einstige Poppermarken auch mal auf dem Grabbeltisch von Supermarktketten.
Man könnte fast sagen, der Popper ist dermaßen zur Normalität geworden, dass wir alle uns eingestehen sollten, ein wenig Popper zu sein.

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2 Responses to “80er Mode – Popper im Wandel der Zeit”

  1. Kai A. Simon Says:

    Sic transit gloria mundi!

  2. Gonzo Mitgerissen Says:

    Nihil interit.