Brauchen wir Starkultisten?
by Mitgerissen on Juli 6, 2009
Die Geschichte der Popkultur dokumentiert auch die Vergötterung der Stars. Spätestens seit der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts werden Musik- und Filmstars regelrecht auf Emporen gestellt. Aber langsam reicht es.
Ein satirischer Kommentar.
Cooler Starkult
Es gab eine Zeit, da flippten die Leute aus, wenn sie die Gesichter von Rock n’ Roll Stars zu sehen bekamen. Die Beatles und die Rolling Stones lösten regelrechte Massenhysterie aus. Ganze Konzerthallen dröhnten von hingebungsvollem Gekreische, ohne dass überhaupt nur ein Ton angespielt wurde.
Nun könnte man sagen, diese auf Emporen gestellten Leute haben Einzigartiges geleistet. Die haben Tabus gebrochen und so etwas wie die Kulturrevolution der 68er mit unterstützt. Leute wie Jim Morrison oder Elvis Presley wurden eigentlich zu Recht so sehr verehrt.
Doch wehre den Anfängen! Was sich hier abzeichnete, war nicht nur Anerkennung einer durchaus respektablen kulturellen Leistung, sondern die kulturell legitimierte Selbstaufgabe.
Starkultisten trotzen Individualisierung
Du bist der Star! Diese Aufforderung scheinen trotz Superstars-Shows und TV-Supermodels nicht besonders viele Leute ernst zu nehmen. Zumal sie anscheinend sofort ihre Unterwäsche zu benässen beginnen, sobald sie ein überdurchschnittliches präsentes Boulevard-Gesicht sehen, das irgendwann einmal eine CD oder ein Filmplakat zierte.
Was wir brauchen, ist gegenseitige Toleranz …
Man muss nicht alles nachvollziehen können. So wie Einige es nicht verstehen, warum Menschen Tausende Kilometer reisen, nur um für wenige Stunden ein paar Musikdinosauriern oder Retortenbands zu lauschen, wollen Andere nur schwer begreifen, warum man stundenlang virtuelle Kampfpanzer befehligt oder wie man monatelang einen schwer bewaffneten Raubritter Onlinewelten erkunden lassen kann. Letztendlich hat man sich in gegenseitiger Toleranz zu üben.
Und dennoch. Diese Starkult -Geschichte ist irgendwie unheimlich, zumal sie Menschenmassen kurzfristig in ferngesteuerte Zombies zu verwandeln scheint. Und ähnlich einer Untotenarmee wiederholen sie den Namen ihrer Gottheit bzw. ihres Meisters im Chor, wie ein Mantra. “Imothep!”, “Imothep!” , “Imothep!”.
… oder sind die Starkultisten wirklich nicht ganz sauber?
Vielleicht haben die Starkultisten tatsächlich einen Knall. Wenn dem wirklich so sein sollte, kann nur noch der große Meister der Psychologie helfen, Sigmund Freund. Der soll sich einst mit Massenphänomenen auseinandergesetzt haben. Interessierte könnten vielleicht da ansetzen. Oder besser: Sie erforschen das Phänomen im wirklichen Leben.
Den Autor braucht man jedenfalls nicht mehr auf das Thema anzusprechen. Im Rahmen seiner Recherche kam er mit dem Starkult wohl zu intensiv in Berührung und versucht nun nachts als Michael Jackson Double Friedhöfe in einen Thriller zu verwandeln. Wahrscheinlich hätte er doch lieber bei Sigmund Freud ansetzen sollen.