Die Welt nach dem Tode könnte wie eine Lehranstalt aussehen. Das ist naheliegend. Schließlich hat der Mensch noch viel zu lernen, ganz besonders wenn er am Anfang einer neuen jenseitigen Lebensphase steht.
Was kommt nach dem Tode?
Diese Frage beschäftigt die Menschheit seit Anbeginn der Tage. Religionen wurden zu großen Teilen auf den Glauben gebaut, dass es ein Jenseits gibt. Die Entwürfe davon werden oft in Metaphern beschrieben und richten sich vielleicht nicht immer an den heutigen Menschen. Deshalb ist durchaus ein wenig Spekulation erlaubt, was einem danach tatsächlich erwartet.
Wenn die menschliche Seele ins Jenseits tritt, dürfte neben Dankbarkeit und Staunen vor allem Freude zu erwarten sein. Sehr wahrscheinlich folgt dem etwas später ein starkes Bedürfnis nach Aufklärung und Information.
Ist das alles echt? Bleibe ich am Leben oder genieße ich gerade meine letzten neuromorphinen Regungen? Bin ich unsterblich? Wie geht es weiter?
Manchen Nahtoderfahrungen zufolge stehen dann Familienangehörige und Freunde bereit, die einige der Fragen schon mal beantworten können. Details werden aber sicherlich von geschultem Personal beantwortet. Nicht an einem Tag und willkürlich, sondern über eines oder mehrere Semester verteilt und nach Lehrplan geordnet.
Jenseitiges Internat
Es gibt viel Stoff über die neue Welt zu lernen. Von metaphysikalischen Gesetzen über alchemischen Zusammenhängen bis hin zu Gesetzeskunde. Begonnen wird aber wohl eher mit einfacherem Wissen, vielleicht wie man ein himmlisches Bahnticket zu entwerten hat oder welche Vergünstigungen es mit einem Neuankömmlingsausweis in der Oper gibt.
Im Mittelpunkt des Unterrichts steht ein Heranführen des Bewusstseins an seine neue Umgebung. Was für Ziele all die Seelen so haben, woran sich der Mainstream orientiert, womit man seine Freizeit verbringt.
Philosophie, Esoterik und Religion sind Hauptfächer, neben metaphysikalischer Naturwissenschaft und dem Fach “Erste Berührungen mit der parapsychologischen Praxis”. Schließlich dürften auch im Jenseits gewisse natürliche Gesetze gelten, über die man Bescheidwissen und die man anwenden können sollte.
An Wochenenden werden entweder Workshops mit Freizeitcharakter abgehalten, oder man darf seine Eltern besuchen fahren.
Am Ende macht man seinen Abschluss. Geprüft wird, ob man fähig ist, den jenseitigen Alltag zu bewerkstelligen und inzwischen die nötige Wissensbasis für das Erlangen weiterer Bildungsreifen vorhanden ist. Doch diese können erst einmal warten. Denn das neue Wissen muss sich erst einmal setzen und nach einer Zeit des Forschens kann es nicht schaden, eine Zeit der Besinnung folgen zu lassen.
