Nach einer aktuellen Studie mehrt Filesharing den Wohlstand eines Landes. Mitgerissen überlegt, wie sich der volkswirtschaftliche Nutzen dieses freien Datenaustausches ergeben könnte.
Filesharing gut für den Wohlstand
Die SZ online schrieb Anfang März 2009, dass einer Studie zufolge Filesharing gut für den Wohlstand einer Volkswirtschaft wäre. Die Ursache der Wohlstandsmehrung sah die Studie darin, dass gespartes Geld für andere, mitunter produktivere Dinge ausgegeben werden konnte.
Untersucht wurden laut der Süddeutschen die Niederlande, wo man mit Filesharing wie mit anderen umstrittenen Dingen schon aus Tradition vergleichsweise tolerant umgeht.
Auf Mitgerissen wird nun durchgedacht, wie sich der Nutzen des Filesharings auf ökonomischer Ebene ergeben könnte.
Grundannahme
Filesharer kommen durch ihre meist schnellen DSL-Verbindungen in den Genuss von Produktnutzen, für die sie ansonsten Geld ausgegeben hätten. Dies geschieht wohl vermutlich selten in dem Ausmaß, in dem urheberrechtlich geschützte Werke untereinander getauscht werden. Das Budget für Medien wird dennoch stark entlastet beziehungsweise gleich auf null reduziert, egal ob es nun dreißig oder dreihundert Euro im Monat sind.
Dieses Geld steht nun für andere Dinge zur Verfügung und man kann davon ausgehen, dass es ein gewisser Anteil davon besonders wohlstandsmehrend ausgegeben wird. Das könnten Rücklagen für eine Weiterbildung oder ein Studium sein, eine vielfältigere und gesündere Ernährung oder die monatliche Einzahlung in einen Bausparvertrag.
Theoretische Begründung
Die Volkswirtschaft kennt die Multiplikatorentheorie. So erhöhen Impulse wie z. B. eine staatliche Subvention das Volkseinkommen nicht nur um den Betrag dieser Förderung, sondern um ein Vielfaches. Auch eine steuerfinanzierte Erhöhung des Arbeitslosengeldes würde den Wohlstand einer Volkswirtschaft steigern. Grundsätzlich verhält es sich so, dass der positive Effekt der Einkommenserhöhung dem negativen Effekt der Steuererhöhung gegenübersteht.
Die Wirkung wäre somit gleich null, wenn sozial schwächere Haushalte nicht erfahrungsgemäß einen höheren Anteil ihres Einkommens für den Konsum ausgeben (müssen). So wird aber Geld von finanziell stärkeren Haushalten mit einer hohen Sparquote umgelenkt zu Haushalten, die oftmals gezwungen sind, ihr gesamtes Einkommen auszugeben.
Durch diese Multiplikatorenbetrachtung lässt sich der Wohlstandseffekt des Filesharings für ein Land erklären. Es findet eine Umverteilung statt von Haushalten mit einer vermutlich höheren Spar – bzw. Investitionsquote zu Haushalten mit einer höheren Konsumquote. Dabei könnte man die Verluste der Rechteinhaber mit einer Art aufgezwungenen Steuer vergleichen.
Die kontraproduktiven Effekte aufseiten der Rechtinhaber werden von den produktiven Wirkungen des freien Datenaustausches aufseiten der Nutzer mehr als ausgeglichen, da diese aller Vermutung nach einen höheren Anteil ihres Einkommens konsumieren. Da aber dieser zusätzliche Konsum die Verluste der Rechtinhaber nur zu geringen Teilen ausgleichen dürfte, wäre ein Nachdenken über andere Formen der Vergütung sicherlich angebracht.
Die Kulturflatrate
Durch eine pauschale Vergütung der Verluste aus dem Filesharing könnte eine Art Ausgleich geschaffen werden, von dem Künstler wie auch die Unterhaltungsindustrie profitieren. Eine solche Kulturflatrate würde es der Bevölkerung ermöglichen, nach Lust und Laune dem freien Datenaustausch hinterherzugehen, ohne dadurch jemanden zu schaden. Schließlich wollen wir ja, dass die Künstler, Macher und Vermarkter weiterhin motiviert sind, unsere Welt mit ihren Produktionen schöner, lustiger und interessanter zu gestalten.



