Durch den deutschen Kinostart der Verfilmung von Jose Saramagos Stadt der Blinden könnte einem der Einfall kommen, seine eigene hypothetische Blindheit zu simulieren, nachts oder in einer abgedunkelten Wohnung. In erster Linie liegt das an den Worten des Literaturnobelpreisträgers Saramago, die ein derartig gelebtes Interesse für dieses Thema erzeugen.
Stadt der Blinden – Sprachlich mit Blindheit geschlagen
Wer sich schon mal im Schreiben versucht hat, konnte vielleicht mit der grundsätzlichen Unmöglichkeit Bekanntschaft machen, etwas in Worten auszudrücken. Auch Houllebecq hat schon darüber befunden. Jose Saramago tut in seinem Roman Stadt der Blinden so, als würde es diese Unmöglichkeit nicht geben. Es ist diese Art zu schreiben und zu erzählen, die ein Eintauchen in die faschistoide, iberisch-südamerikanische Welt aus Stadt der Blinden provoziert.
Literaturnobelpreis für Jose Saramago
Jose Saramagos Sprachstil ist knapp und wesentlich. Es gibt weder eine direkte Rede, noch Schnörkelei. Das, was gesagt werden muss, spricht der Literaturnobelpreisträger aus. Mit Unwesentlichem wird man nicht belästigt. Die Menschen bekommen nicht einmal Namen. Sie werden durch den ganzen Roman hindurch konsequent “Die Frau des Arztes” oder beispielsweise “Der erste Blinde” genannt. Jose Saramago verzichtet vor allem auf solche Nebensächlichkeiten, die man sowieso nicht sehen kann, wenn man mit Blindheit geschlagen ist.
Es ist vielleicht gerade dieser Minimalismus, der den Leser so sehr in seinen Bann zieht. Jose Saramagos Die Stadt der Blinden regt geradezu an, bei Dunkelheit mal eigene Sehschwächen zu simulieren, sich vorzustellen, wie man selbst in dieser Quarantäne zurechtkommen würde, ganz
ohne optische Orientierung, nur auf die übrigen Sinne angewiesen.
Verfilmung von Stadt der Blinden
Der Verfilmung von Saramagos Stadt der Blinden sollte man so aufgeschlossen wie möglich begegnen und eben ein Filmwerk erwarten, eine visuell und akustisch wahrnehmbare Kunstform, kein Buch. Das einzigartige Meisterwerk des Literaturnobelpreisträgers Jose Saramago spielt in einem anderen Olymp.
Stadt der Blinden bei Spiegel Online:
zur Filmkritik




Oktober 29th, 2008 at 6:18 pm
war von dem Buch auch hin und weg, allerdings hat mich die Verfilmung trotz des schwierigen Sujets längst nicht so in Bann schlagen können.
November 5th, 2008 at 1:47 pm
Wenn Literaturverfilmungen doch nur so gewagt wären, wie Theaterstücke es gelegentlich sind …