Jul 28

Oftmals wird harmlos über Reinkarnation oder frühere Leben gesprochen, ohne dass einem klar ist, dass eine Wiedergeburt auf dem Planeten Erde vor allem Tod, Armut und Leid bedeuten kann. Als Alternative bieten uns die klassischen Weltreligionen das Paradies an, während sich manche Bewusstseinsforscher schon heute auf einen ewigen Trip durch ein psychedelisches Universum freuen.


Die Reinkarnation erobert die Sprache

Immer wieder ist in unserem Sprachgebrauch von früheren Leben die Rede. Es werden Vermutungen darüber ausgesprochen, was man wohl in einem früheren Leben war.
Wer beispielsweise gut reiten kann, war in einem früheren Leben ein Indianer, wer gut schwimmen kann, muß wohl mal Delfin gewesen sein. Wenn einem mehrere Missgeschicke in Folge widerfahren, ist schnell von Strafen für Vergehen aus einem früheren Dasein die Rede. Insgesamt hört man Spekulationen über zukünftige oder frühere Leben so häufig, dass es einen ängstigen könnte.

Dieser Glaube an die Reinkarnation hat sich ganz beiläufig in unsere Köpfe eingeschlichen. Wiedergeboren werden, das hört sich irgendwie ganz plausibel an, kommt nicht so großspurig daher wie das Paradies. Man gibt sich eben bescheidener. Oder, was eigentlich das Schlimme daran ist, man merkt es gar nicht und übernimmt den Glauben an frühere Leben aus dem Sprachgebrauch der Anderen.

Wiedergeboren werden auf der Erde

Bevor wir einander wie uns selbst so inflationär die Reinkarnation an den Hals wünschen, sollten wir uns bewusst machen, was es eigentlich bedeutet, auf diesem Planeten wiedergeboren zu werden.

Natürlich, es kann alles gut gehen, man wächst irgendwo in der westlichen Welt auf – oder zumindest an einem Ort, an dem man die Chance hat, so halbwegs in Gesundheit, Freiheit und relativem Wohlstand zu leben. Doch selbst im Falle einer Reinkarnation in der westlichen Welt sollte man hoffen, im oberen Drittel der Gesellschaft geboren worden zu sein. Ansonsten kann aus Prada, Dior, Cabrio und Ibizaurlaub schnell jobben im Burgerrestaurant werden.

Reinkarnation in Armut und Unterdrückung

Wird man unter solchen Umständen wiedergeboren, unter denen die Mehrheit der Weltbevölkerung zu leben hat, stirbt man womöglich schon als Säugling oder Kleinkind. Wer das Kindesalter überlebt und eine Frau ist, darf sich aus gutem Grund vor Zwangsehe, Vergewaltigung, Beschneidung und einem häuslichen Dienerleben fürchten. Aber auch Männer geht es nicht so viel besser. Die meisten Täter sind zwar Männer, doch vermutlich stellen sie noch eine weitaus größere Zahl an Opfer – egal ob durch Krieg, in Folterzellen oder Gefängnissen.

Reinkarnation als Tier

Der Glaube an frühere Leben erstreckt sich auch auf Reinkarnationen als Tier. Wer glaubt, auf diese Weise all der Gewalt und des Leids zu entkommen, irrt gewaltig. Dazu braucht man sich nur einen Tierfilm anzusehen. In der einen Sekunde hoppelt man noch glücklich über Wiesen und Wälder, einen Augenblick später hängt man in einem Schnabel, wird nach einem beängstigenden Todesflug lebend gevierteilt und an die Küken eines Raubvogels verfüttert. Oder man denkt, in der liebevollen Obhut seiner Tierfamilie aufzuwachsen, während diese gerade erwägt, einem wegen Futtermangels zu Tode zu malträtieren und dann halb tot in der Wildnis zurückzulassen.

Show must go on! Sobald der Tod kommt, ist natürlich die Reinkarnation immer noch besser als nichts. Für das ewige Leben nimmt man selbst die Wiedergeburt auf diesem höchst prekären Planeten in Kauf.

Das Paradies – eine wunderbare Alternative

Auf der anderen Seite gäbe es das Paradies. Man muss sich schon fragen, was daran nun so verkehrt sein soll. Diese beschwerliche Reinkarnation durch so viele karge Leben ist womöglich gar nicht nötig. Man könnte das ewige Leben, genau so wie manche psychedelischen Bewusstseinsforscher, als unendlichen Trip durch das Universum auffassen, in dem alles immer besser, faszinierender und schöner wird. Oder man hält es eher mit den monotheistischen Weltreligionen und glaubt an das Paradies.


Wie auch immer es kommen mag, ob einem das Paradies oder die Reinkarnation auf dem Planeten Erde erwartet, es bleibt einem nicht anderes übrig als zu hoffen, dass es wenigstens in irgendeiner Form bergauf geht. Wenn schon als Mensch auf der Erde, dann hoffentlich schöner, reicher, gesünder, glücklicher. Und wenn es woanders hingeht, dann bitte in das Paradies - egal ob dies nun ein Wolkenhimmel mit Harfen, ein üppiges Schlaraffenland oder ein ewiger Trip durch das Universum ist.

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One Response to “Reinkarnation als Mensch auf der Erde? – Nein Danke!”

  1. Entourage - Traum von einem Hollywoodleben | mitgerissen Says:

    [...] Selbstverwirklichung, Müßiggang und viel Konsum setzt. Entourage zeigt, wie das Paradies auf Erden aussehen [...]