Aug 29

Mit offenen Augen durch das All schweben. Als Anfang der 90er Jahre der Trance kam, verwandelten sich stillgelegte Fabrikhallen, Freiluftflächen und Klubs in einen Ort schamanischer Traumvisionen. Seitdem sind Trance Events ein Teil unserer Kultur.


Die Zeit als der Trance kam

In der Zeit, als diese psychedelische elektronische Musik mit dem Namen Trance kam, konnten in den Clubs und Hallen, in denen Trance Events stattfanden, Momente entstehen, die im Grunde verewigt und als Cyberspace-Realtime-Erlebnis untereinander ausgetauscht werden sollten. Trance Events hatten Anfang der 90er Jahre im gesamten deutschsprachigen Raum begeisterte Anhänger gefunden, auf dem Lande wie in den Städten.

Trance Events – Rebellion in stillgelegten Panzerhallen


Anstatt ausschließlich Alkohol und Plastikpop zu konsumieren, suchten Anfang der 90er unzählige Leute transzendentale Erlebnisse und elektronische Klänge. Kosmisches Feiern, zu Hunderten oder Tausenden in stillgelegten Gewerbehallen, Afterhours, Freiluftpartys. Wie auch immer das Szenario aus nüchtern objektiver, vielleicht gar konservativer Sicht ausgesehen haben mag, entscheidend ist, was in den Köpfen geschah.

Auf Trance Events durch das All

Im Inneren mancher Besucher haben sich vermutlich Traumszenarien abgespielt, die mit Huxleys Soma Mondflügen konkurrieren konnten.
Die monotonen Drums hämmern unbeirrbar in eine zunehmend stärker werdende Trance. Der Körper tanzt wie automatisch, als ob er sich verselbstständigt hätte. Nebenbei hat er zwei zusätzliche Arme gebildet. Auf dem Technoshirt geht ein kleiner Zeichentrickfilm ab, kommentiert von einem kleinen grünlichen Gespenst.

In Trance

So tanzt man vor sich hin, mal beeindruckt von nackten Schultern, denen plötzlich ein Auge hervorquillt, dann Glücksgefühlen hinterherjagend, ausgelöst durch Flächentöne oder sporadisch auftretenden Houseklängen im Hintergrund.
Plötzlich, es wird dunkel, obwohl die Augen weit aufgerissen sind. Die Musik, Trance der 90er, ist noch da, deutlicher denn je, nur das Bild fehlt.

Ein Blick nach unten genügt. Man befindet sich im Freiflug durch das All. Sterne unter einem, die langsam überall auftauchen. Das ist fast unheimlich, weil da eigentlich die Besucher und das Drumherum auf dem Trance Event sein müssten.

Die Normalität stellt sich leider zu schnell wieder ein. Die freie Sicht, leider wieder gewährleistet. Das wird spätestens auf der Toilette klar, wo man sich selbst als durchsichtige Halluzination begegnet, ähnlich einer Fata Morgana, die vor sich hin tanzt.


Ungefähr so könnte ein individuelles Erlebnis auf einem der unzähligen Trance Events Anfang der 90er Jahre ausgesehen haben. Und das Schöne ist, so ähnlich könnte dieses Erlebnis auch heute noch aussehen, denn ähnlich wie die elektronische Musikrichtung Acid findet Tance auch ganz gerne mal sein Revival.


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