Verglichen mit Red Bull, wirkt das Marketing mancher Produkte fast ein wenig wie Dienst nach Vorschrift. Kein Wunder. Vermutlich braucht es schon besonderer zeitgeschichtlicher Zufälle, damit sich eine richtige Kultmarke etabliert. Bei Red Bull war es die Spaßgesellschaft der 90er. Und vielleicht auch ein wenig der Regulierungseifer deutscher Behörden.
Was Red Bull und Falco gemeinsam haben
Produkte aus Österreich schienen in Deutschland eine Weile sehr kontrovers anzukommen. Zumindest war das Anfang der 90er bei der Kultmarke Red Bull und dem Popidol Falco der Fall.
Von öffentlichen Stellen verbannt, vom Publikum geliebt. Das galt Ende der 80er für Falcos Jeanny, das mit einem Radioboykott bestraft wurde und wohl auch deshalb wochenlang die Verkaufscharts anführte.
Auch die Marke Red Bull durfte Anfang der 90er nicht in Deutschland verkauft werden – der verbotenen Wirkung des darin enthaltenen Taurins wegen, wie es hieß.
Redbull Verbot und die Spaßgesellschaft
Die junge deutsche Spaßgesellschaft hatte zum Thema Red Bull Verbot ihre eigene Meinung, zumal der Energy Drink im Verdacht stand, high zu machen. Wieso sollte man das auch sonst verbieten?
Die Dosen wurden von unzähligen Anhängern der Spaßgesellschaft palettenweise nach Deutschland geschafft, egal ob aus dem Kitzbühelurlaub oder der Heimreise vom Gardasee. Manche Münchner Lokale zeigten sogar Zivilcourage und boten ihren Gästen noch vor Aufhebung der Prohibition einen Wodka Bull an.
Red Bull – Mutter des Guerilla Marketing
Die Kunden wurden dazu gebracht, gegen Auflagen zu verstoßen, den Energy Drink Redbull sogar zu schmuggeln. Das verdient wahrlich die Bezeichnung Guerilla Marketing – auch wenn das wohl kaum Teil einer Strategie gewesen sein kann, sondern vielmehr oder popkulturelles Schicksal.
Das Ergebnis sieht jedenfalls so aus, dass Wodka Bull seit Anfang der 90er das Szenegetränk Nummer eins ist, an vielen Orten in Europa.
Red Bull – nicht mit Alkohol mischen!
Die Spaßgesellschaft fühlte sich grundsätzlich zu Produkten hingezogen, die man mit einem Verbot belegte. Bei dem Energy Drink bleib der Kultstatus aber weiter bestehen, als man Red Bull an jeder Tankstelle kaufen konnte.
Es mag durchaus emotionale Gründe gehabt haben, seinen Wodka mit Red Bull zu mischen. Es hatte aber auch viel mit Verstand zu tun. Schließlich wurde auf der Dose schriftlich davon abgeraten.
Einen Wodka Bull bitte!
Nicht ohne Grund wird stellenweise behauptet, dass man einfach mehr verträgt und sich insgesamt nüchterner fühlt, wenn man seine Longdrinks mit Red Bull mixt.
Schließlich sind die Wachmacher Koffein und Taurin in dem Energy Drink enthalten. Der einschläfernde Effekt des Alkohols wird so aufgehoben. Zumindest kann das subjektiv so wirken.
Und um die Wirkung geht es, wenn man zur Bar rennt und wie üblich meint: einen Wodka Bull bitte!



